Gedanken: Deutscher sein = Nazi sein?
Gedanken
Deutscher sein = Nazi sein?
Mai 2003, etwas umformulierte Version des schnell geschriebenen Originals auf:
www.magische-welten.de ->”Gedanken”
Immer wieder fällt mir auf, dass wir Deutsche ein bestimmtes Problem im Vergleich zum Rest der Welt haben.
Ich meine damit den Vorwurf, ein “Nazi” zu sein. Immer wieder wird dies im alltäglichen Leben mehr oder weniger direkt vorgeworfen und sogar von anderen Staaten unterstellt.
Sobald jemand es wagt, sich über bestimmte patriotische oder nationale Dinge, die unsere (oder eine andere) Nation betreffen zu kritisieren, taucht er auf. Der Vorwurf: “Du Nazi!”
Und leider kommt dies nicht nur von außerhalb der heimischen Grenzen, auch von innerhalb taucht er auf. Von Politikern, Nachbarn oder sogar Freunden, wird diese Unterstellung immer wieder aus Neue mißbraucht.
Aber warum ist das so? Und stimmen die Behauptungen? Betrifft dieses Problem nur die Deutschen?
Zu diesen Fragen werde ich in den folgenden Zeilen Stellung nehmen, und versuchen meine Meinung zu erläutern.
Ich denke durch die Erziehung in Deutschland und die Deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert um das Dritte Reich und den zweiten Weltkrieg, werden wir regelrecht in das “Schuld sein” getrieben.
Das fängt damit an, dass man kritisch beguckt und hinter vorgehaltener Hand als Nazi beschimpft wird, wenn man die Deutschlandflagge in seinem Garten aufhängt, oder am Auto hat. In anderen Staaten ist dies an der Tagesordnung und selbstverständlich. Dort wird das dann “Patriotismus” genannt…
Teile ich meinen Zuhörern dagegen in einer Rede mit, dass ich “Stolz bin, ein Deutscher zu sein”, dann hat das für die meisten einen sehr üblen Beigeschmack. Im europäischen Ausland ist man der ‘Deutsche Nazi’.
Aber warum sollte ich denn nicht stolz auf mein Land sein, wie all die Briten, Franzosen und Amerikaner auf ihres auch? Es bedeutet ja nicht, dass ich stolz auf den zweiten Weltkrieg und Hitler bin. Denn das war vor meiner Zeit, und vor der Zeit meiner Eltern. Ich habe nichts verbrochen. Ich teile auch nicht die Begeisterung über Hitler’s Taten, die ein echter Nazi vielleicht hegen mag. Ich verurteile sie, wie vieles andere auf der Welt von heute aber auch.
Dennoch wird der Satz “Stolz, ein Deutscher zu sein” nur all zu gerne immer wieder auf unsere schlechte Vergangenheit bezogen. Klar, er fiel in der Zeit häufig und prägte die Propaganda Hitlers sicher mit… Aber ebenso taten das die Militärparaden, das Flaggen schwenken und das Singen der Nationalhymne.
Wieso sind also z.B. all die Amerikaner, mit ihren hunderten von Paraden, dem beständigen Singen der Hymne vor jedem sportlichen Wettkampf oder Spiel, dem Präsentieren und zur Schau stellen ihrer Armee, keine Nazis?
Natürlich, weil sie keinen Hitler hatten, und sich der (westlichen) Welt als Retter der Menschenrechte präsentieren. Die regelrechte Vernichtung der Indianer, die Sklavenhaltung von Afrikanern… die interessiert keinen wirklich. Zum einen war die Nation damals noch jung und bestand zum Großteil aus europäischen Einwanderern, zum anderen ist heute ja alles anders.
Ist es das wirklich? Gerade im Süden der USA können Menschen afrikanischer Abstammung ein Lied davon singen, die wenigen Indianer von heute sicher auch. Ein schwarzer Präsident in den USA? Auch heute noch undenkbar. Zwar hat sich vieles gebessert und nicht alle haben eine schlechte Meinung (ich behaupte mal die Mehrheit nicht), aber ist dies nicht auch ein großer Bestandteil des Nazitums? Die Verfolgung und Unterdrückung anderer? Es gab und gibt sie nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
Briten und Franzosen sind stolz auf ihre Nation. Wagen es die Deutschen stolz zu sein… dann sind sie Nazis. Denn sie haben eine deutliche Nazi-Vergangenheit. Und wer stolz auf sein Land ist, ist auf alles stolz… also stolz ein Nazi zu sein?
Deutschland möchte ein (Raketen-)Museum eröffnen, welches Waffen (egal ob entwickelt und glücklicherweise nie mehr produziert und eingesetzt) und die Taktiken ausstellt, mit denen Adolf Hitler geplant und agiert hatte. Dort sollte man z.B. die ersten Raketen sehen können, und Giftgasbomben. Zum Glück war Hitler besiegt, bevor er soweit war… aber in einem Museum zu zeigen, was alles zur Kriegsführung entwickelt wurde, halte ich nicht für verwerflich, zumal es sicher nicht “verherrlichend” dargestellt werden würde, sondern mahnend. Aber was geschieht? Die Briten regen sich furchtbar darüber auf, über die Nazis in Deutschland… und das Museum wird nie wie geplant geöffnet. Kurz darauf feiern die Briten (welche als einziges EU Land keinen Euro haben, aber natürlich bestimmen wollten welche Form die Münzen haben sollen) die Enthüllung einer Statue von Bomber Harry, der für den “totalen Krieg und die totale Zerstörung” der deutschen Städte im zweiten Weltkrieg steht. Na danke… Wo ist denn hier der Fragesteller?
Die Deutschen haben halt den 2.WW verloren, sind damit an allem Schuld, ihre Toten sind im Vergleich zu denen anderer Länder nicht wirklich etwas wert, sie waren ja böse Nazis. Komm auch Du, tritt noch einmal zu…
Meiner Meinung nach müssten (deutsche) Politiker viel energischer gegen solche Anfeindungen angehen (auch wenn diese dann mit Sicherheit noch schlimmer interpretiert werden), sonst ändert sich nie etwas daran.
Wenn ich irgendeine (mehrdeutige) Bemerkung mache, die im Sinne einer rassistischem Aussage aufgefasst werden könnte, so wird sie das im deutschsprachigen Raum (und im Großteil von Europa) mit Sicherheit. Selbst wenn man aus dem Zusammenhang entnehmen könnte, dass dies gar nicht gemeint ist. Nicht nur ein deutscher Politiker ist über sowas bereits gestolpert und sein Amt losgeworden…
Die Schuld sitzt zu tief im Denken von uns, denn der Rest der Welt hält es uns jeden Tag vor. Es läuft daher in auch in unserem Gehirn nach festgefahren Spurlinien ab. Wer sich aus ihnen löst, wird als Nazi bezeichnet, auch wenn er das genaue Gegenteil ist.
Ein anderer Punkt sind Reparationszahlungen an andere Völker.
Natürlich verstehe ich auch finanzielle Wiedergutmachung… aber warum soll ich noch heute von meinem Geld, für die Enkel der ehemaligen Opfer zahlen?
Ich habe weder ihnen, noch ihren Eltern etwas angetan und werde es bestimmt nicht tun. Warum muss ich zahlen? Erbschuld? Ist das also wie mit dem Adel? Der eine ist zum König geboren, der andere zum Sklaven? Entscheidet was meine (Groß-)Eltern getan haben, über meinen Wert, über das was ich bin und jemals sein kann?
Nein, hier widerspreche ich zu heftigst. Nur die eigenen Handlungen und Taten sind angebracht, mich zu bewerten und zu messen. Damit widerspreche ich jeder neuen Forderung nach weiteren Zahlungen, wie sie immer mal wieder irgendwo auftauchen… oder mir in Diskussionen als Vorwurf regelmäßig vor die Füße geworfen werden, für die Zerstörungen die wir Deutsche im 2.WW angerichtet haben.
An dieser Stelle sollte man auch mal viel kritischer auf die Krieg spielenden Herren im “Nahen Osten” schauen, was die eigentlich heute so alles für nette Waffen kaufen… natürlich nur um sich zu schützen… oder bei der nächsten Geldspende für die hungernden Kinder in Indien/Pakistan etc. einfach mal die Frage erlauben, wie die ihre (Atom-)Bomben finanzieren…
Wichtig ist, dass unsere Generation aus den Fehlern der Vergangenheit lernen muss, um sie nicht zu wiederholen. Und nicht, dass sie für diese Fehler bestraft wird.
Ich bin sicher kein Nazi, aber ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Ich teile nicht die Meinung vieler anderer, und ich lasse sie mir mit Bestimmtheit auch nicht aufzwingen. Ich habe meinen eigenen freien Kopf, den ich durchzusetzen versuche, mit Argumenten und politischen Mitteln. Und nicht mit (militärischer) Gewalt. Und das ist auch gut so.
Mark










