Mark's Block

Feierabend

November 28, 2007 um 6:52 Uhr

Freitag, 17:21 Uhr. Feierabend! Endlich!

Ich sammle meine Sachen zusammen, stopfe alles in die Tasche, schalte das Licht aus, gehe Richtung Tür und - “Na, machst jetzt Feierabend *lach*” - grinse den Kollegen auch freundlich an. Nein, Feierabend mache ich jetzt noch nicht. Zumindest nicht richtig. Nein, eher im Gegenteil. In 39 Minuten geht die Vorlesung los und ich bin noch 45km und ungefähr zwei Stunden Parkplatzsuche entfernt.

Trotz allem schwinge ich mich glückselig in meine alte Kiste, trete das Gaspedal durch und fahre die 50m vom Parkplatz zur Tankstelle. In nur 9 Minuten schaffe ich es meinen Autogastank zu füllen und ärgere mich unheimlich, dass der Preis schon wieder gestiegen ist. 1 Liter kostet nun schon 62 Cent ! Frechheit!

Nix wie los jetzt, nach dem Bezahlen muss ich mich jetzt ganz schön sputen. Zum Glück ist heute Mathe dran, da braucht der Prof. immer erstmal eine gewisse Zeit, bis die Tafeln gewischt sind. Die ist fest eingeplant. Keine 500m später klingelt das alte Siemens-Handy und zwischen einer Menge Gegröle kann ich etwas von Semesterparty, Darmstadt und Feierabend-Saufen verstehen. Leider nicht wann und wo genau. Ich düse also weiter Richtung Uni. Während ich einen uralten Ford Escort überhole und mich über die 80jährige, die mich gerade mit ihrem Golf abgehängt hat wundere: “Komisch, heute ist doch Mathe, die sitzt doch sonst nur in der “Recht” Vorlesung“, geht’s im Radio auch schon wieder rund.
Vorsichtig fahren sollen alle, den es gäbe einen nasskalten Feierabend. Hallo? Ich bin doch gar nicht unterwegs zur Party. Scherzkekse. Ich wechsle den Sender und prompt legt man auch da los. “Machen sie Feierabend. Es ist Freitag Abend!”
Einen Moment überlege ich tatsächlich dieser Aufforderung nachzugehen. Aber der Klausurtermin steht schon in zwei Wochen an. Lieber doch nicht. Ich fahre weiter. Nur noch 19km. Ich schaue rechts aus dem Fenster und sehe auf dem Parkplatz der vorbeifliegt schemenhaft einige Polizeiautos. Anscheinend kontrollieren die schon wieder. Das ist wohl im Moment Mode.

Kaum zu Ende gedacht fällt mir so ein nerviges Blitzen im Rückspiegel auf. Verdammt, drängelt da schon wieder wer? Oh, ne doch nicht. Es ist ein Streifenwagen und was da blitzt liest sich erstaunlich gut im Spiegel als “Stopp Polizei”. Grummel. Ja, das musste ja sein. 18km und 5 Minuten vor der Vorlesung also noch mal ein Störer.
Freundlich halte ich meinen Lappen samt Personalausweis bereit, den mit dem Foto vom alten Papierschinken nimmt mich keiner mehr für voll. Erstaunlicherweise möchte der Kollege in blau diesmal gar nicht die ganzen Autogasunterlagen sehen, statt dessen witzelt er irgendwas von Uhrzeit und “Auch bald Dienstschluss”. Langsam bin ich etwas genervt und frage mich nur am Rande, warum der Kerl im Radio gerade vom lustigen Feierabend spricht. Zum Lachen ist mir gerade wirklich nicht zu Mute.

Anscheinend habe ich das Gesicht dabei etwas zu sehr verzogen, schaffe es aber gerade noch meine Aufmerksamkeit wieder dem Beamten zuzuwenden, der irgendwas von Aussteigen und Blasen erzählt hat. Ob ich schon mein Feierabend-Bier getrunken hätte, fragt er noch. So ein Blödkopf. Ich weiß doch gar nicht, wo diese Semesterparty heute steigt! Wie sollte ich da schon Bier getrunken haben…?

Ich mache ihm also eine Freude und blase in sein kleines Röhrchen und darf anschließend mit peinlichen 0.0 Promille weiterfahren. 18:15 Uhr. Hmpft. Der Prof. dürfte inzwischen mit Tafelwischen fertig sein. Verzweifelt fahre ich an den 15 Parkplätzen vor der Uni auf und ab, aber natürlich ist keiner frei… obwohl die meisten Studenten schon auf der Party sind. Verdammt, warum muss ich auch ein Feierabend-Studium machen?

Dann habe ich unglaubliches Glück. Um 18:27 will jemand weg. Mit Auto. Ich setze den Blinker und will gerade einparken, als ich den Radiosprecher höre wie er sagt: “Fahren sie in den Feierabend!” und es einen kräftigen Rumms gibt. Plötzlich stehe ich parallel zum parkenden Auto eins weiter vorne, aber dafür steht jemand anderes nun ganz dicht hinter mir.

Ich glaube, morgen verklage ich den Sender…

Schäuble und der größte Feldherr aller Zeiten

November 9, 2007 um 6:32 Uhr

Wir hatten den ‘größten Feldherrn aller Zeiten’, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten” soll Schäuble laut der taz am Mittwochabend anläßlich der Diskussion um die “Vorratsdatenspeicherung” assoziiert haben. Soll das etwa ein Hitler-Vergleich sein?
Einerseits wäre das schön, denn bisher musste so ziemlich jede “öffentliche Person” ganz schnell wieder zurückrudern und klein beigeben, wenn sie irgend etwas mit Hitler oder der Zeit aus dem “Dritten Reich” verglichen hatte… und sei es nur der “Heiße Sommer von 1944” aus dem Wetterbericht gewesen. Nicht wenige wurden sogar aufgrund eines achtlosen Satzes gleich arbeitslos.

Andererseits stimmt es bedenklich, wenn Politiker wie unser Herr Schäuble als “Bundesminister des Inneren” solche Sätze nun sogar zum Verspoten der potentiell Terrorverdächtigen ihrer politischen Gegner verwenden.
Bedenklich zum einen, wenn sie ungeschoren damit durchkommen, und zum anderen bedenklich hinsichtlich des Zustandes ihres Verstandes.

Aber bestimmt sind diese Worte ja nie so - und nie in diesem Zusammenhang mit dieser Bedeutung gefallen.

Da handelt es sich bestimmt nur um eine tazente tazente
… oder viel Fantasie… oder…oder etwa nicht?

Auf viel Begeisterung wird dieser Ausspruch jedenfalls nicht stoßen, zumindest nicht unter den tausenden von Verdächtigen besorgten Bürgern, die eine Verfassungsklage anstreben, da sie mit der heutigen Entscheidung zugunsten des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung einen weiteren Schritt in Richtung Überwachungsstaat sehen.

Dabei haben wir gerade wirklich eine Menge ganz anderer Probleme, derer sich die Politik einmal annehmen könnte… aber wer weiss… vielleicht täte es Herrn Schäuble ja mal ganz gut, wenn er z.B. mit Manfred Schell, dem Vorsitzenden der GDL einfach mal den Platz tauscht und in eine längere Kur geht, während Manfred derweil einen Streik zur Erhöhung der Diäten der Bundestagsabgeordneten um 35% einleitet.
Vielleicht käme Schäuble bei klarer Luft zu sinnvolleren Ideen - und solange die anderen Politiker streiken, können sie wenigstens nicht noch mehr kaputt machen…

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